Training

Training

Ving Tsun ist ein System, kein Sammelsurium von Tricks. Jede Technik folgt denselben Prinzipien, jede Übung baut auf der vorherigen auf. Auf dieser Seite erfährst du, wie eine Trainingsstunde bei uns aussieht, welche Formen du nach und nach lernst und mit welchen Methoden wir aus Bewegungsabläufen echte Fähigkeiten machen.

So läuft eine Stunde bei uns ab

Wir starten mit Mobilisation und Grundstand, gehen dann in Technik und Partnerübungen und enden mit Chi Sau – den „klebenden Händen“, dem Herzstück des Ving Tsun. Dabei lernst du, die Bewegung deines Gegenübers zu fühlen, statt sie zu erraten.

  • Aufwärmen & Mobilisation – Gelenke, Schultern und Hüfte werden gezielt vorbereitet. Ving Tsun lebt von Lockerheit, nicht von Anspannung.
  • Formtraining – allein und in Ruhe übst du die Form deiner aktuellen Stufe. Hier entstehen Struktur, Haltung und saubere Linien.
  • Technik & Drills – einzelne Techniken werden isoliert, mit dem Partner wiederholt und Schritt für Schritt unter mehr Druck gesetzt.
  • Chi Sau – im ständigen Armkontakt mit dem Partner trainierst du Gefühl, Reaktion und Timing.
  • Ausklang – kurze Nachbesprechung, Fragen und Dehnung.

Die Prinzipien hinter jeder Bewegung

Ob Anfänger oder Fortgeschrittener – alle trainieren nach denselben Grundideen. Sie sind schnell erklärt und ein Leben lang spannend zu vertiefen:

  • Die Mittellinie – wer die eigene Mitte schützt und die des Gegenübers kontrolliert, bestimmt das Geschehen.
  • Der kürzeste Weg – gerade, direkte Bewegungen sind schneller und schwerer zu erkennen als ausholende.
  • Gleichzeitigkeit – Abwehr und Angriff passieren möglichst in einer Bewegung, nicht nacheinander.
  • Nachgeben statt Dagegenhalten – Kraft wird nicht geblockt, sondern umgeleitet und genutzt.
  • Struktur statt Muskelkraft – ein gut ausgerichteter Körper überträgt Kraft effizienter als angespannte Muskeln.

Die Formen – vier Stufen, ein Weg

Die Formen sind das „Lehrbuch“ des Ving Tsun. Sie sind kein Schaukampf gegen einen unsichtbaren Gegner, sondern speichern die Bewegungen, Winkel und Prinzipien des Systems in einer festen Abfolge. Jede Form öffnet die Tür zur nächsten Trainingsstufe.

1. Siu Nim Tau – die kleine Idee

Die erste Form ist das Fundament von allem. Sie wird im festen Stand geübt – ohne Schritte, ohne Drehungen. Gerade deshalb ist sie so wertvoll: Du lernst, ruhig und entspannt zu stehen, die Ellbogen an der richtigen Linie zu halten und Bewegung ohne unnötige Spannung auszuführen. Hier entstehen die Grundtechniken wie Tan Sau, Bong Sau und Fook Sau, der gerade Fauststoß und das Gefühl für die eigene Mittellinie. Siu Nim Tau ist die Form, die du am längsten übst – und die du nie ausgelernt hast.

2. Chum Kiu – die Brücke suchen

Mit der zweiten Form kommt Bewegung ins Spiel. Chum Kiu bringt Drehungen, Schritte und erste Tritte und verbindet Arme, Rumpf und Beine zu einer Einheit. Du lernst, die Distanz zum Gegenüber zu kontrollieren, den Kontakt – die „Brücke“ – herzustellen und deine Struktur auch in Bewegung zu halten. Was in Siu Nim Tau statisch angelegt wurde, wird hier lebendig und anwendbar.

3. Biu Jee – die stechenden Finger

Die dritte Form ist für den Moment gedacht, in dem etwas schiefgeht: wenn du deine Mitte verloren hast, unter Druck gerätst oder aus einer ungünstigen Position zurückkommen musst. Biu Jee enthält Notfalltechniken, kurze Ellbogenschläge, schnelle Richtungswechsel und schießende Fingerstöße. Sie lehrt, Kraft auf kürzester Distanz zu entwickeln und kompromisslos zurück ins Zentrum zu finden. Traditionell wurde diese Form nur fortgeschrittenen Schülern gezeigt.

4. Muk Yan Jong – die Holzpuppe

Die Holzpuppe ist ein Trainingspartner, der nie müde wird und nie lügt. Die Form an der Puppe vereint Hand- und Beintechniken der vorherigen Formen mit Schritten und Positionswechseln. Weil die Puppe nicht nachgibt, zeigt sie dir sofort, ob Winkel, Abstand und Timing stimmen. Hier schleifst du deine Technik, bis jede Bewegung präzise sitzt – und härtest nebenbei Unterarme und Körper ab.

Ausblick: die Waffenformen

Am Ende des traditionellen Systems stehen zwei Waffenformen: der Langstock (Luk Dim Boon Kwan) und die Doppelmesser (Baat Jaam Dao). Heute dienen sie vor allem dazu, Stand, Körperstruktur, Kraftübertragung und Präzision weiter zu verfeinern. Sie sind die Krönung eines langen Weges und setzen ein sicheres Fundament in den waffenlosen Formen voraus.

Unsere Trainingsmethoden

Formen allein machen noch keinen Kämpfer. Erst im Training mit Partnern wird aus Wissen ein Reflex. Diese Methoden begleiten dich von der ersten Stunde an und werden mit deinem Können immer anspruchsvoller:

Dan Chi Sau – einarmiges Klebetraining

Der Einstieg in die Kontaktarbeit. Mit einem Arm wechselst du in einem festen Ablauf zwischen Tan Sau, Bong Sau und Fook Sau und lernst dabei, den Druck deines Partners zu spüren und richtig zu beantworten.

Poon Sau – das Rollen

Die beidarmige Grundübung des Chi Sau. Beide Partner bleiben im fließenden Kontakt und „rollen“ die Arme. So entwickelst du Lockerheit, eine stabile Struktur und ein feines Gespür für jede Veränderung beim Gegenüber.

Chi Sau – klebende Hände

Das Herzstück des Ving Tsun. Aus dem Rollen heraus werden Angriffe, Abwehren und Konter frei eingebaut. Du lernst, Lücken zu fühlen statt sie zu suchen, und reagierst immer mehr reflexartig. Chi Sau ist kein Kampf, sondern ein Labor, in dem du die Prinzipien des Systems unter wachsendem Druck testest.

Lap Sau & Partnerdrills

In festen Abläufen wie dem Lap Sau (Greifen und Ziehen des Arms) trainierst du Kombinationen, Übergänge und das Zusammenspiel von Abwehr und Angriff. Durch viele Wiederholungen werden die Bewegungen zuverlässig abrufbar.

Chi Gerk – klebende Beine

Das Prinzip des Chi Sau übertragen auf die Beine. Du schulst Gleichgewicht, Stand und das Gefühl für den Kontakt im Unterkörper – eine wichtige Grundlage für stabile Schritte und Tritte.

Lat Sau & Anwendungstraining

Für Fortgeschrittene geht es ins freiere Anwendungstraining. Hier wird geübt, die Distanz zu überbrücken, aus dem Abstand den Kontakt herzustellen und die Techniken gegen einen Partner einzusetzen, der sich nicht an feste Abläufe hält. Schutz und gegenseitiger Respekt haben dabei immer Vorrang.

Für wen ist das?

Für alle, die sich sicherer fühlen wollen – ohne Vorkenntnisse, ohne bestimmtes Fitnesslevel, ohne Alterslimit. Ving Tsun wurde, so erzählt die Legende, von einer Frau entwickelt. Es braucht kein Muskelpaket, sondern Aufmerksamkeit.

Neben der Selbstverteidigung profitierst du von besserer Haltung, mehr Körpergefühl, Koordination und Konzentration – und von der Ruhe, die entsteht, wenn du weißt, dass du dich auf dich selbst verlassen kannst.

Was du mitbringst

Bequeme Sportkleidung, saubere Hallenschuhe, eine Flasche Wasser. Den Rest zeigen wir dir.

Trainingszeiten & Probetraining

Trainingszeiten auf Anfrage. Dein erstes Training ist kostenlos und unverbindlich – schreib uns kurz, wann du vorbeikommen möchtest. Alle Infos zum Ablauf findest du auf der Seite Probetraining.